Erst wenn man aus der Karte herauszoomt, wird sichtbar, ob sich vielleicht in einer Ecke des Waldes besonders viele kränkliche Bäume befinden, oder ob die Bäume nach Norden raus viel kleiner sind als ihre sonnenbeschienenen Südnachbarn.

Jeder Baum bleibt trotz dieses Perspektivwechsels ein Individuum, er verliert nichts, aber für den Betrachter ergeben sich ganz neue Erkenntnisse über den Zustand des Waldes.

Die biologischen Geschlechtsunterschiede wurden bisher hauptsächlich dazu benutzt, um Frauen an der Teilhabe an der äußeren, nicht-häuslichen Welt zu hindern.

Partnersuche wolfsburg umgebung-8Partnersuche wolfsburg umgebung-49Partnersuche wolfsburg umgebung-30

Doch wenn der Sender einer Botschaft sagt „Du bist jetzt für den Moment kein Individuum mehr, sondern nur ein Messwert in einer Werteverteilung“, dann sträuben sich viele Leser, weil sie sich ihrer Individualität beraubt fühlen.

Die Populationssicht rührt an unserem innersten Selbstverständnis, ein unverwechselbares Individuum zu sein.

Wir lernen von klein auf, dass jeder von uns etwas Besonderes ist, und diese Betrachtung nur für einen Moment aufzugeben und uns selbst als Teil einer Menschengruppe, die durch ihre Durchschnittswerte charakterisiert ist, zu sehen, gelingt vielen nicht so ohne weiteres.

Der Leser bezieht dann jede Aussage des Textes auf sich als Individuum und fühlt sich folgerichtig verletzt und falsch wiedergegeben, weil wichtige Teile seiner Persönlichkeit in dem Text unberücksichtigt bleiben.

Er beschränkt sich auf das „linke“ und das „rechte“ Lager und führt einige blinde Flecken auf, von denen er glaubt, dass sie beide Lager am vernünftigen Denken und Handeln hindern.

Über seine Beispiele kann man sicher geteilter Meinung sein (etwa „Mitgefühl mit den Schwachen“ als linkes Manko), auch über ihre Zugehörigkeit zum jeweiligen Lager (negative/positive Betrachtung von Veränderung).Sich auf die Ebene zu verständigen, ist der erste Schritt bei Texten, die Gruppenaussagen enthalten.Der Perspektivwechsel ist schwierig, aber unverzichtbar, will man größere Gesellschaftsmuster erkennen und richtig auf sie reagieren.Die Debatte um das Schreiben war für mich daher auch ein fantastisches Lehrstück darüber, wie Menschen aneinander vorbei reden können, obwohl sie dasselbe Vokabular benutzen.Hervorragend trainieren lässt sich die Populationssicht mit technischen Hilfsmitteln wie Google Earth: Ganz nah herangezoomt besteht ein Wald dort aus einzelnen Bäumen, die mal größer, mal kleiner sind, mal dichter belaubt und mal kahl, mal mit kräftigem, gesunden Grün und mal einem kränklichen Gelb, kurz: sie sind so individuell wie wir Menschen.Der Autor bietet schließlich als Erklärung für gesellschaftliche Ungleichheiten die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau an.